Ganz schön Frisch hier...

30.

08.

2017

neu

China Tour | erzählt von Michl

Ist es frisch hier oder sind wir das? Diese Frage stellen Anja und ich uns √∂fter auf dem Weg von Kemerowo nach Irkutsk. Wir erreichen auf diesem Anschnitt unserer Reise das n√∂rdlichste St√ľck und mein lieber Scholli: es ist echt frisch.

Wir m√ľssen bei der ersten Strecke von Kemerowo nach Atschinks wegen der K√§lte anhalten und uns in einem Caf√© aufw√§rmen. Meine Vermutung ist, dass wir nach Monaten in der Hitze einfach nicht mehr an normale Temperaturen gew√∂hnt sind. Um das vielleicht mal in Zahlen darzustellen: es sind ca. 15¬įC, aber es f√ľhlt sich an, als w√ľrden wir am Sitz festfrieren. Doch es ist nur frisch und der Regen h√§lt sich zur√ľck und das wissen wir sehr zu sch√§tzen. Wir treffen auf dem Weg polnische Motorrad-Fahrer, die ihren Augen nicht trauen und uns gleich mal mit Aufklebern und Clubanh√§ngern versehen. Zack und schon wird man Ehrenmitglied, weil man auch durch Russland f√§hrt. Tolle Sache. Weiter geht es √ľber Nischni. Ab da kommt auch die Sonne wieder mehr heraus und ab jetzt fahren wir endlich wieder nach S√ľden, wo es w√§rmer wird. Das h√∂rt sich vielleicht komisch an, wenn ich schreibe ‚Äěnach S√ľden fahren, da wird es w√§rmer.‚Äú Doch wir fahren mehr als 1000 Kilometer nach S√ľden und es macht einen erheblichen Unterschied, ob man am 27. August in N√ľrnberg oder in Rom ist, nicht wahr?

In Kuitun haben wir unseren letzten Stopp vor dem Baikalsee. Die Stra√üen sind herrlich zu fahren, es ist kaum Verkehr und wir kommen super voran. Jetzt kommt aber etwas, mit dem ich nicht gerecht hatte. Der Baikalsee liegt auf 455 Metern H√∂he und ist von einigen ganz netten Bergen umgeben, die auch mal gar nicht so niedrig sind. Wir schrauben uns mal wieder auf 1500 Meter hinauf, aber zum Gl√ľck ist das nur ein Pass und dann sehen wir diesen riesigen See. Es verschl√§gt einem echt die Sprache. Bis hierher hatte alles super mit den Gastinizias geklappt und wir haben immer wieder was gefunden. Als wir am S√ľd-West-Ufer des Sees sind, wollen wir aber noch keine Schlafgelegenheit suchen. Es ist und noch zu fr√ľh und wir sind super in der Zeit. Als Erinnerung: wir m√ľssen erst am 2.9. in Ulanbatoor sein, um uns mit Meike und Herbert zu treffen. Wir haben nicht damit gerechnet, dass man hier so gut fahren kann. Mehr als einen Tag haben wir schon herausgefahren, das m√∂chten wir uns nicht so schnell wieder entgehen lassen und auf den Apps, die wir benutzen, und den Karteninfos auf dem Navi, gibt es mehrere M√∂glichkeiten ein Bett f√ľr die Nacht zu finden.

Wir tanken also und fahren weiter. Als die Sonne hinter den Bergen verschwindet, wird es kalt. So richtig kalt. Bei Zehn Grad und niedriger lasse ich es bleiben, diese Zahl auf dem Display aufzuschalten. Das macht es nicht besser und gef√ľhlt ist es eh unter null. Die hohe Luftfeuchtigkeit, welche von dem See ausgeht, macht es auch nicht einfacher und es will einfach keine Unterkunft kommen. Zwei Hotels fahren wir an. Eines ist nicht mehr da, das andere hat nicht offen. Wir fahren solange wir k√∂nnen, aber es kommt und kommt nichts. Wir beschlie√üen in einem Caf√© zu fragen, ob wir auf dem Boden schlafen k√∂nnen. Wenn nicht, k√∂nnen wir uns wenigstens aufw√§rmen. An Zelten hatten wir zwar auch gedacht, aber ein Blick auf Anjas blaue Lippen zeigt, das w√§re heute eine echte Qual. In dem Caf√©, was noch offen hat, treffen wir einen Radfahrer, der von Moskau aus los geradelt ist. Ich meine das nicht abf√§llig, wenn ich sage, er ist ein zahnloser Greis, er ist es tats√§chlich. Aber freundlich und gespr√§chig. Wir erkl√§ren ihm unsere Situation und dann bet√§tigt er sich sofort als Dolmetscher und fragt jeden in dem Lokal, ob jemand etwas wei√ü, wo wir schlafen k√∂nnen. Denn leider stellt sich schnell heraus, dass der Boden hier nicht zu vermieten ist. Ein junges Paar erkl√§rt sich bereit und f√§hrt uns voraus weiter auf der K√ľstenstra√üe entlang. Dann biegt das Auto ohne ein Hinweisschild oder Grund nach 20 km in den Wald ab. Es geht knappe 100 Meter √ľber Stock und Stein und dann stehen wir auf einer gerodeten Fl√§che und vor einer kanadischen Holzh√ľtte. Hier bekommen wir ein sch√∂nes Zimmer, zwar nur ein sehr sp√§rliches Abendessen, aber tolle Betten und W√§rme. Es ist herrlich warm hier drin. Wir sind total froh das wir mal wieder was auf den letzten Dr√ľcker gefunden haben, was sich als so toll herausstellt.

Am n√§chsten Tag schauen wir, dass wir weiterkommen, denn wir wollen zwar noch bis hinter Ulan-Ude kommen, doch davor haben wir noch etwas anderes vor. Wir wollen auf jeden Fall an den Strand des Baikalsees. Hier kommt man ja auch nicht jeden Tag hin. Wir suchen uns ein kleines ruhiges Fleckchen und machen Fotos. Da √ľberkommt es Anja und mich, und obwohl es frisch ist, ziehen wir uns die Sachen aus und h√ľpfen ins Wasser. Das Hinein und Hinaus ist gar nicht so leicht mit dem Kieselboden und das Wasser hat genau einen cm Temperatur. Mehr als ein paar Schwimmz√ľge sind da nicht drin, dann bleibt einem schon fast das Herz stehen. Wir trocknen uns ab, lassen uns von der Sonne wieder ein wenig Aufw√§rmen und nachdem wir noch die Aussicht genossen haben, geht es sehr erfrischt weiter.

Wir folgen dem Fluss Selenga durch ein breites Tal des Gebirges und es sieht ein wenig aus wie in √Ėsterreich mit gro√üen Bergen links und rechts der Stra√üe. Wir stellen auch fest, dass es noch gute 160 km dauert, bis wir in eine Gegend um Ulan-Ude kommen und es wieder Unterk√ľnfte gibt. Hier wird uns bewusst, wie viel Gl√ľck wir mit der Unterkunft gestern Abend hatten. Das Niveau des Flusses begleitet uns bis nach Gussinoosjorsk. Hier verbringen wir unsere letzte Nacht in Russland. Ich habe sp√§ter herausgefunden, dass es einen Weg durch das Gebirge von Babuschkin nach Gussinoosjorsk gibt. Nach dem Navi w√§ren das nur 183 km statt der gut 340 km, die wir gefahren sind. Doch f√ľr beide Strecken wird die gleiche Zeit angegeben. Eine deutlichere Aussage √ľber die Strecke kann man sich ja nicht w√ľnschen, oder? Die Stadt Gussinoosjorsk ist eine recht schmutzige Arbeitsstadt, aber wir sind eh keinen Luxus gew√∂hnt. Leider m√ľssen wir unsere Sachen in den f√ľnften Stock tragen. Das Haus, in dem wir ein Zimmer finden, wird auf den unteren Ebenen mit Gesch√§ften und normalen Wohnungen anderweitig verwendet. Die Motorr√§der kommen in einen Hinterhof, in dem ein noch kleiner aber sehr motivierter Hund auf unsere Maschinen aufpasst.

Anja und ich sind beide sehr gespannt auf die Grenze zur Mongolei. Wir wissen das es kein großes Aufgebot geben soll. Wie die Realität aussieht, werden wir morgen feststellen.

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