Endg√ľltiger Verlust

13.

08.

2017

China Tour | erzählt von Michl

Am n√§chsten Tag werden wir um halb acht von der Rasselbande aus den benachbarten Jurten geweckt, die offensichtlich putzmunter ist und endlich unterhalten werden m√∂chte. Wir bereuen sehr, dass wir unser Zelt so dicht neben Alex‚Äô gebaut haben, denn die Kinder rufen einfach nur immer wieder seinen Namen. Gef√ľhlt stundenlang. Irgendwann geben wir auf, qu√§len und aus den Zelten und packen zusammen.

Ich bin gar kein Morgenmensch und mein Blick scheint klar zu machen, dass ich heute f√ľr keinen Spa√ü zu haben bin. Die Kinder trollen sich, als sie mich ansehen, ohne das ich etwas sagen muss. Der Selbsterhaltungstreib ist hier also noch sehr stark eingepr√§gt, stelle ich fest.

Wir fahren nur bis in den n√§chsten Ort und essen dort ein kleines Fr√ľhst√ľck, nachdem wir getankt haben. Denn Alex‚Äô Motorrad hat den Verbrauch durch den Pass in eine astronomische H√∂he geschraubt. Fast scheint es, dass ein Leck im Tank ist. Aber wir haben es nicht weit. Bis Osch ist es ein Katzensprung von 185 Kilometern und die Stra√üe ist hervorragend.

Bei einer kleinen Mittagsrast lege ich mich eine Weile ins Gras und nicke praktisch sofort ein. Mir fehlt eindeutig Schlaf. Alex versucht in der Zwischenzeit die Vergasereinstellungen r√ľckg√§ngig zu machen. Leider nur mit m√§√üigem Erfolg. Als wir schon wieder wegen der 125er zum Tanken anhalten, kommt heraus, dass Alex eine Einstellschraube vom Vergaser verloren hat.

Jetzt fliegt das Benzin nur so durch den Verbrennungsraum. Zwar finden wir eine Übergangslösung, aber weiter als bis nach Osch wird das nicht reichen. Alex fährt also zu einer Werkstatt und wir zu dem Hostel, als wir in der Stadt ankommen. Wir sind bereits geduscht und eingerichtet, als Alex mit dem Taxi ankommt.

Er hat kein Ersatzteil bekommen und daher die Maschine gleich hier vor Ort verkauft. Damit ist er am Ende seiner Tour angekommen. Zwar ein St√ľckchen vor Bischkek, aber doch viel weiter als gedacht. Noch in Chorugh hatten wir stark gezweifelt, ob die 125er √ľberhaupt bis Kirgistan kommen wird.

Wir gehen am Abend das letzte Mal zusammen Essen. Uns ist allen drei das Herz schwer, denn wir sind jetzt schon so viele Kilometer gemeinsam gefahren und haben viel zusammen erlebt. Aber wir freuen uns, dass wir diese Gelegenheit hatten und werden uns sicherlich nicht so schnell aus den Augen verlieren.

Am n√§chsten Tag tr√∂deln wir alle drei lange herum, doch letztendlich machen sich Anja und ich auf den Weg nach Bischkek. Das sollte in knapp zwei Tagen zu machen sein, wenn man auf der offiziellen Stra√üe f√§hrt. Doch wir w√§hlen den Weg, der praktisch in Luftlinie nach Nord-Osten f√ľhrt und uns √ľber den Song Kul See in die Hauptstadt bringen soll ‚Äď ‚ÄěSong Kul See‚Äú ist in diesem Zusammenhang eine falsche Schreibweise, da das Wort Kul auf Kirgisisch See hei√üt. Also eher der Song See. Aber da will ich jetzt mal nicht zu penibel sein.

Wir verlassen Osch und kommen auf dem ersten Teil der Strecke sehr gut voran. Es geht durch kleine D√∂rfer und Ortschaften, bis wir die neue Hauptstra√üe verlassen und uns endlich wieder auf einer Offroad Stra√üe befinden. Wir f√ľhlen uns super, denn nach dem Pamir haben wir so viel Selbstvertrauen in unser Fahrk√∂nnen, die Motorr√§der und diese Art der Stra√üenverh√§ltnisse bekommen, dass wir den Weg richtig genie√üen.

Wir schrauben uns auf einen Pass hinauf und haben einmal mehr eine wunderbare Aussicht. Doch hier oben ist es uns viel zu kalt und wir fahren noch bis ins Tal, wo wir an einem Fluss unser Lager aufschlagen. Wir sehen, dass in dem Fluss auf einer großen Sandbank ein paar große Jeeps parken und ich erkenne deutsche Kennzeichen.

Da wir leider nicht genug Wasser dabeihaben, will ich schnell r√ľber huschen und fragen, ob wir uns eine Flasche schnorren k√∂nnen. Wenn ich eines herausbekommen habe, dann, dass die Jeep-Reisenden alles, was man sich vorstellen kann, tonnenweise dabeihaben. Die Jungs und M√§dels haben ja Platz.

Leider ist der Fluss zu tief, als dass wir einfach hindurch fahren k√∂nnten und da ich froh bin, dass meine Stiefel so sch√∂n trocken sind, ziehe ich mir einfach ein paar Flipflops √ľber. Doch ich mache nur einen Schritt in das Wasser hinein, schwupp, ist der erste Flipflop weg. Zwar fische ich noch danach, aber mehr als hinterher winken kann ich nicht.

Nummer zwei ist auch kurz danach auf dem Weg flussabw√§rts. Tats√§chlich ist die Str√∂mung so stark, dass ich einen Stock brauche um halt zu finden, obwohl das Wasser nur bis kurz √ľber meine Knie reicht.

Barfuß bringe ich also den Weg hinter mich und stelle fest, dass die Gruppe aus Reisenden um die 50 Jahre besteht, und nach ein paar Sätzen erfahre ich auch noch, dass es die Großmaulsorte Leute ist.

Aber ich bin ja nicht hier, um Freunde zu finden, sondern wegen einer Flasche Wasser. Ich stelle mich also unbeholfen und d√ľmmlich. Das ist immer noch der beste Weg, wie sich solche Menschen noch ein wenig besser f√ľhlen. Dann ziehe ich mit meiner Beute von dannen.

Wir ärgern uns ein wenig, dass die Flipflops weg sind, denn das war das bessere Paar. Aber was soll’s. Nach dem Essen machen wir uns ein schönes kleines Lagerfeuer und genießen die Ruhe, denn so wie es aussieht, wird das einer der letzten Abende in echter Wildnis.

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