Das Tor zur H├Âlle

25.

07.

2017

China Tour | erz├Ąhlt von Michl

Am Morgen also die Routine. Fr├╝hst├╝ck, Packen und diesmal extra Wasser mitnehmen, obwohl es zu unserem Stopp nur knapp 260 Kilometer sind. Dann lassen wir uns noch best├Ątigen, dass es gen├╝gend Tankstellen gibt und auf gehtÔÇÖs.

Nach nur f├╝nfunddrei├čig Kilometern trifft uns die erste harte Realit├Ąt. Wir sind vom Iran Bilderbuchstra├čen gew├Âhnt und h├Ątten uns nach dem H├Âllenritt nach Meghri in Armenien, als durchaus erfahren auf schlechten Stra├čen eingeordnet. Aber das hier ist eine andere Liga.

Wir machen kaum Stecke. Dabei ist es nicht so, dass die Stra├če durchweg schlechten Asphalt hat, oder gar keine Stra├čendecke. Es gibt Abschnitte, die sind echt gut. Genau das ist aber das Problem. An solchen Stellen beschleunigt man, zum Teil unwillk├╝rlich, und dann kommen Geschwader von Schlagl├Âchern, welche meist mehr als zehn Zentimeter tief sind und so lang, dass das halbe Motorrad darin verschwindet. Wenn man dort mit siebzig Kilometern pro Stunde hineinf├Ąhrt, hat man das Gef├╝hl die Wirbels├Ąule wird einem von der Sitzbank durch den Sch├Ądel geschossen. Diese Einschl├Ąge sind so hart, dass wir versuchen selbst auf den guten St├╝cken langsam zu fahren.

Wir sind also auf der ganzen Strecke zu einhundert Prozent konzentriert. Das merken wir deutlich an unserer Ersch├Âpfung. Wir m├╝ssen mehr Pausen machen als normalerweise und auch mehr trinken nat├╝rlich. Denn es ist echt ganz sch├Ân warm.

Wir fahren die hei├če Mittagszeit durch, denn wir haben zum einen keinen Schatten zum Unterstellen, und das Tarp aufbauen ist uns zu anstrengend. W├Ąhrend der Fahrt haben wir wenigstens den Fahrtwind der uns ein wenig k├╝hlt. Das ist jedoch eine sehr falsche Theorie wie wir feststellen m├╝ssen. Die ersten zwei Liter Wasser sind auf einmal ausgetrunken und wir wundern uns, denn das h├Ąlt normalerweise l├Ąnger.

Doch wir sind weiterhin guter Dinge, denn wir haben noch mehr als sechs Liter dabei. Gegen 16:00 Uhr erreichen wir ÔÇ×die JurteÔÇť, von welcher wir erfahren haben, dass der brennende Krater etwa 11 Kilometer von der Stra├če entfernt liegt und die Besitzer uns f├╝r eine Besichtigung hin fahren k├Ânnen.

Ich habe bei den Pausen versucht einzusch├Ątzen, ob wir durch den Sand fahren k├Ânnten, aber der ist hier so fest wie Wasser und ist praktisch wie ein See ohne festen Boden. Wir mit unseren schweren Maschinen haben keine Chance aus eigener Kraft zu dem Krater zu kommen. Dazu sind unsere Erfahrungen auf Sand bei Weitem nicht ausreichend und wir schwitzen auch schon, ohne dass wir die Maschinen ausbuddeln m├╝ssen, genug.

Eine kleine Randbemerkung zu ÔÇ×der JurteÔÇť, um dem Leser zu verdeutlichen, mit welchen Angaben wir an dieser Stelle angekommen sind. Der Rezeptionist in A┼čgabat hatte uns gesagt, dass er vor seinem Job hier als Touristenguide gearbeitet hat. Von ihm haben wir die Aussage: ÔÇ×da kommt nach zweihundertsechzig Kilometern eine Jurte auf der linken Seite. Zum Krater muss man dann nach rechts abbiegen, etwa elf Kilometer. Das ist der schnellste Weg.ÔÇť Wir dachten uns noch, der gute Herr hat nicht alle Nadeln an der Tanne, doch es war genauso, wie er es gesagt hatte. Zack, und da war eine Jurte im Nirgendwo.

Wir bauen hier unser Zelt auf und sind v├Âllig fix und fertig. Ohne den Wind und die ÔÇô zumindest vermeintliche ÔÇô ÔÇ×K├╝hlungÔÇť f├Ąllt uns auf, wie durstig wir sind. Ich versuche alles zu ber├╝cksichtigen, was ich ├╝ber Durst an hei├čen Orten wei├č: in kleinen Schlucken trinken, die verschwitze Kleidung anbehalten, damit der K├Ârper abk├╝hlen kann und bewegungslos im Schatten liegen, ohne sich zu r├╝hren.

Doch es ist unertr├Ąglich. Wir schwitzen praktisch in der gleichen Geschwindigkeit, in der wir trinken. In kurzer Zeit sind die sechs Liter Wasser bis auf knapp einen Liter ausgetrunken. Dann geht endlich die Sonne langsam unter. 

Wir haben zwei Fahrer gefunden, die uns zum Krater und wieder zur├╝ckbringen. Wir dachten zun├Ąchst, dass wir das Auto nutzen, dass neben der Jurte parkt, doch die zwei kommen auf kleinen russischen Motorr├Ądern an.

Auf einem absolut wilden Ritt preschen die zwei mit uns als Sozius durch den Sand und Anja und mir wird klar, dass wir das niemals gefunden h├Ątten, geschweige denn fahren k├Ânnten. Auf einer kaum erkennbaren F├Ąhrte die mehrfach abzweigt und sich im Gestr├╝pp und Sand verliert, geht es kreuz und quer durch den losen Sand, bis wir das Gl├╝hen des Kraters sehen k├Ânnen.

Wir bleiben bis kurz nach Sonnenuntergang an dem Krater und ich mache ein Paar Aufnahmen mit der Drohne. Dann jagen wir durch den Sand wieder zu unseren Motorr├Ądern und unserem Zelt zur├╝ck.

Das schlimmste ist: Wir haben Durst, doch die Flasche mit dem Wasser lag auf dem Zeltboden. Der W├╝stensand hat sich auf gute siebzig Grad aufgeheizt und diese Temperatur hat jetzt auch unser Wasser. Es ist kaum m├Âglich es zu trinken und zu unserem Leidwesen stellen wir fest, dass unsere Isomatten mehr oder weniger zu einer Herdplatte geworden ist. Da jedoch der Sand noch viel hei├čer ist als die Matten, bleibt uns nichts anderes ├╝brig, als doch darauf zu schlafen.

Der Jurtenbesitzer verkauft uns noch Wasser und etwas zu Essen und dann genie├čen wir den Sternenhimmel in der W├╝ste. Weit weg von jeder Stadt und der damit verbundenen Lichtverschmutzung haben wir einen atemberaubenden Anblick auf den Himmel ├╝ber uns.

Wir versuchen bei abgek├╝hlten sechsunddrei├čig Grad zu schlafen, doch richtig erholen k├Ânnen wir uns nicht. Um 5:00 Uhr geht die Sonne auf und die Temperatur steigt zusehends. Wir k├Ânnen ohnehin vor Durst und Hitze nicht weiter schlafen, also stehen wir auf und versuchen so schnell wie m├Âglich, das Tor zur H├Âlle hinter uns zu lassen.

Mit mehr oder weniger langen Gesichtern machen wir uns auf den Weg zur Grenze. Der letzte Tag unseres Visums ist angebrochen. Jeder Meter Stra├če bringt uns diesem Ziel n├Ąher, doch gleichzeitig haben wir st├Ąndig die Gefahr, dass es einen von uns in einem dieser Schlagl├Âcher schmei├čt, oder wir einen platten Reifen haben.

Erneut m├╝ssen wir mehr als einhundert Kilometer hochkonzentriert bleiben, dann werden wir erl├Âst. Um 10:00 Uhr Ortszeit erreichen wir eine Tankstelle nahe der Kreuzung nach Da┼čoguz. Das ist f├╝r alle unsere Qualen der Balsam. Wir k├Ânnen tanken, Wasser kaufen und ab hier haben wir endlich wieder fahrbare Stra├če.

Die letzten 120 Kilometer rei├čen wir schnell runter und kommen mittags an der Grenze an. Man sind wir platt. Man scheint uns das auch irgendwie anzusehen. Die Grenzpolizei l├Ąsst uns zwar das erste Mal auf unserer Reise das gesamte Gep├Ąck ├Âffnen, doch auf der turkmenischen sowie auf der usbekischen Seite werden dann doch nur fl├╝chtige Blicke hineingeworfen, ohne ernsthaft zu kontrollieren. Das ist unser gro├čes Gl├╝ck, wie wir viel sp├Ąter feststellen sollten.

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