Last Minute Visa

23.

07.

2017

China Tour | erz├Ąhlt von Michl

Das Fr├╝hst├╝ck lassen wir sausen, denn wir wollen endlich unsere Visa haben und schnell aufbrechen. Es ist ein recht langer Weg bis A┼čgabat, daher warten wir ungeduldig, bis das Konsulat offen hat und klopfen an die Holzklappe. Man machen wir lange Gesichter, als der Typ einfach erneut sagt, dass er nichts Neues wei├č und wir warten sollen. Aber na gut, dann wir warten halt ab.

Ich k├╝mmere mich um die Motorr├Ąder und stelle fest, dass Anjas BMW K├╝hlwasser verliert. Ich wusste, dass der Defekt auftauchen kann. Aber insgeheim hatte ich gehofft, wir kommen drumherum. Wir schreiben ├╝ber das WLAN dem Stephan, der sich sofort an die Organisation macht, uns ein Ersatzteil zu schicken.

Von hier aus kann ich daran erst einmal nicht viel ├Ąndern. Naja was sollÔÇÖs. Ich f├╝lle das Wasser einfach wieder auf. Bisher haben wir trotz der Strecke noch keine nennenswerten Sch├Ąden oder Reparaturen gehabt. Also sehe ich das noch ganz locker. Ich schmiere und spanne die Ketten und dann sind wir eigentlich schon wieder startklar.

Am n├Ąchsten Tag werden wir erneut vom Konsul weggeschickt und an dieser Stelle muss ich kurz erkl├Ąren, in was f├╝r einer Klemme Anja und ich langsam stecken.

Man muss bei der Beantragung der Visa f├╝r Turkmenistan genau angeben, wann und wo man einreist und wann und wo man ausreisen wird. Wir hatten das 5 Tages-Transit-Visum beantragt (das einzige f├╝r uns m├Âgliche), von dem jetzt schon 2 Tage verstrichen sind. Wir hatten vor, das Land schnellstm├Âglich zu durchqueren, was 560 km Strecke bedeutet und wir wissen leider nur aus wagen Berichten, dass wir es mit schlechter Stra├če zu tun haben werden, aber nicht mit welcher Kategorie. Das einzige, was wir sicher wissen, ist, dass es keine gute Stra├če sein wird.

Das zweite Problem ist, wir haben noch 250 Dollar und keine M├Âglichkeit irgendwo im Iran mehr Geld abzuheben. An der Grenze mit allen Formalit├Ąten, m├╝ssen wir circa 200 Dollar zahlen.

Wir k├Ânnen also ÔÇŽ

A) mit den verbleibenden 50 Dollar die letzten drei Tage hoffen, das Visum zu bekommen.

B) Oder wir machen uns gleich auf den Weg nach Aserbaidschan, wo es wieder Bargeld gibt und wir uns einen anderen Weg um Turkmenistan herum suchen k├Ânnen ÔÇô aber das sind 1500km und wir brauchen bis dahin Benzin und Essen und in der Hitze auch eine Art Unterkunft, was mit 250 Dollar auch schon knapp werden kann.

C) Die dritte Entscheidung w├Ąre von hier aus durch Pakistan oder Afghanistan zu fahren. Ersteres w├╝rde uns nach Indien bringen und damit weit weg von unserem Reiseziel, Letzteres ist zwar von unserer Bundesregierung als sicheres Herkunftsland beschrieben, aber das gilt wahrscheinlich nur f├╝r Fl├╝chtlinge, die dahin abgeschoben werden m├╝ssen.

Um es kurz zu sagen: wir stehen ein wenig mit dem R├╝cken zur Wand.

Der dritte Tag unseres Visums bricht an und am Mittag bekommen wir es tats├Ąchlich mit dem Satz ÔÇ×nehmt es oder lasst es bleibenÔÇť. Naja wir haben alles gepackt und machen uns auf den Weg.

Wir hetzten so schnell es geht zur Grenze und kommen um 15:15 Uhr an. Wir sind scheinbar die einzigen, die heute hier mit einem Fahrzeug die Grenze ├╝berschreiten wollen und alles geht auf der iranischen Seite schon ganz fix ÔÇô um 15:50 Uhr sind wir am letzten Zaun. Auf einmal br├╝llen die Soldaten aus der turkmenischen Seite her├╝ber. Um 16:00 Uhr ist dort n├Ąmlich Feierabend und da wir am letzten Posten sind, ist einwandfrei klar, dass wir dort heute noch ankommen werden.

Wir schieben die Maschinen schnell ├╝ber die Linie und jetzt schauen uns alle erstmal bl├Âd an. Man kann den Soldaten praktisch ansehen: ÔÇ×so ein Mist, jetzt m├╝ssen wir ├ťberstunden machenÔÇť. Doch darauf hat hier keiner Lust. Wir rennen mit den Papieren durch die Grenze und sind in einer Rekordzeit durch alle Stationen durch. Als Plus bezahlen wir auch bei Weitem nicht alles, was hier normalerweise f├Ąllig ist. Von den zweihundert Dollar bleiben uns nette F├╝nfundsiebzig Dollar ├╝brig. Kein schlechter Schnitt. Wir sind zufrieden.

Die Stra├če nach A┼čgabat ist ein Paradebeispiel f├╝r diesen ├ťberwachungsstaat. Der Weg bis zum ersten Polizeiposten, der das Ende des Grenzgebietes markiert, ist circa zwanzig Kilometer lang und jeder einzelne Zentimeter von dem Bergland dazwischen ist durch Kameras ├╝berwacht. Die sind zwar alle so dezent, oder auch versteckt wie m├Âglich angebracht, doch un├╝bersehbar.

Wir bekommen an dem letzten Posten innerhalb der Grenze noch schnell eine kleine Horrorgeschichte zu h├Âren, dass wir auf keinen Fall anhalten sollen, bis wir in der Stadt sind. ÔÇ×├ťberall Bergl├Âwen und B├Ąren, die uns fressen wollen und J├Ąger die uns erschie├čen wollen.ÔÇť Also das einzige, was ich davon glaube, ist das mit dem Erschie├čen und das sind sicherlich keine J├Ąger sondern Grenzw├Ąchter.

Wie dem auch sei, wir erreichen die Stadt und m├╝ssen feststellen, dass hier ganz sch├Ân was kompensiert wird. Mein lieber Schwan, praktisch alles ist hier aus wei├čem Marmor. Die Geb├Ąude sehen alle aus wie der Buckingham Palace. Jedes Tor ist drei bis vier Meter hoch und mit schwarzem Lack und goldenen Design-Elementen versehen.

Die Stra├če, die Anja und ich ins Zentrum der Stadt nehmen, ist dreispurig in jede Richtung, aber wir sind praktisch allein. Im H├Âchstfall sind zehn andere Fahrzeuge hier gleichzeitig unterwegs. Wobei ich hiermit auch alle drei Busse und das eine Stra├čenreinigungsfahrzeug mitgez├Ąhlt habe.

Wir haben uns im Voraus erkundigt und wissen, dass es in der Stadt eine Ausgangssperre gibt. Ab 21 Uhr sollte man wieder im Hotel sein. Daher, und weil wir dringend Geld brauchen, haben wir uns f├╝r das Nissa-Hotel entschieden. Das ist zwar ganz sch├Ân teuer, aber es gibt hier einen Geldautomaten und einen Pool. Das war dann auch schon der Grund. Nach einigen Wochen Iran, in dem ich kein Feierabendbier hatte, lasse ich mir ein gek├╝hltes Bier an den Pool bringen und genie├če in aller Ruhe.

Weil wir nicht wissen wohin und weil uns die Ausgangssperre ein wenig hemmt, bleiben wir am Abend im Hotel und das sollte unser Schaden nicht sein. Wir treffen einen deutschen Arzt, der hier zuf├Ąllig ebenfalls Gast ist und erfahren viele Einzelheiten ├╝ber das Land.

Uli ist der Augenarzt des Pr├Ąsidenten hier und im ersten Moment war ich schockiert, dass er freiwillig einen Despoten behandelt. Bei genauerem Nachdenken aber ist exakt das der Inhalt des Eides den ein Arzt leistet. Er hilft jemandem, der Hilfe braucht.

Wir erfahren, dass Uli viele freiwillige Eins├Ątze in Afrika hatte und man kann kurzum sagen, der Mann hilft, wo er kann. Wir sind sehr beeindruckt. Wir w├╝rden zwar gern noch viel l├Ąnger sitzen und reden, aber Uli muss um drei Uhr nachts zu seinem Flug und wir werden auch noch eine Runde schlafen m├╝ssen, denn morgen geht es in die hei├česte W├╝ste Asiens. Wird aber nicht so wild werden, wir haben ja schlie├člich auch Yazd ├╝berstanden.

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