Auf einen Rutsch nach Maschad

21.

07.

2017

China Tour | erz├Ąhlt von Michl

Es ist eine richtig lange Strecke bis nach Maschad. Anja und ich entscheiden uns also, dass wir nur etwas ├╝ber die H├Ąlfte fahren und dann eine ├ťbernachtungsm├Âglichkeit suchen. Wir halten in einer winzigen Stadt an und finden heraus, dass die ├ťbernachtung, die wir online gefunden haben, ein Gebetshaus ist.

Wir werden hier von allen Leuten sehr freundlich eingeladen. Der Parkg├Ąrtner, der uns als erstes das Tor aufschlie├čt und uns alles zeigt, l├Ądt uns auch sofort zu sich nach Hause ein. Doch wir entscheiden uns dagegen. Wir k├Ânnen mit ihm n├Ąmlich nur kommunizieren, indem wir Mohammed anrufen, der f├╝r uns ├╝bersetzen kann.

Als n├Ąchstes kommt eine Frau vorbei, die gut Englisch spricht und die organisiert den ganzen Haufen Menschen um uns herum. Es dauert ein paar Minuten, dann kommt aus allen Richtungen jemand wieder auf dieses Gebetshaus zu und bringt uns etwas vorbei: Tee, Wasser, Brot, Obst, Kebab.

Anja und ich k├Ânnen uns also erstmal ausruhen und essen. Dann legen wir uns zu unserem Mittagsschlaf hin und freuen uns, dass es hier mit dem Gebetshaus besser geklappt hat als gedacht.

Doch dann wird unsere Freude j├Ąh zerst├Ârt. Auf einmal klopft es und ein Mann steht vor der T├╝r, der behauptet von der Polizei zu sein. Er ist komplett in Zivil, will aber unsere P├Ąsse sehen. Ich denke aus Spa├č an die Stasi und bin damit gar nicht so weit von der Wahrheit weg.

Es ist wahrscheinlich die Religionspolizei. Die Sache wird dann immer bunter, als er meint wir k├Ânnen hier nicht schlafen und sollen mit ihm mitkommen. Das fehlte noch. Wir rufen mit unserem iranischen Handy erneut Mohammed an und lassen uns das Ganze erkl├Ąren.

Es ist wie gedacht: der Typ ist nicht koscher. So beschlie├čen wir ihm absichtlich vor den Kopf zu sto├čen, indem wir kein Wort mehr mit ihm reden, zusammenpacken und doch noch nach Maschad fahren. Er schreibt sich irgendetwas aus unseren P├Ąssen auf, aber das ist uns auch egal, wir fahren einfach.

Das Ausruhen war auf jeden Fall eine Wohltat. Wir sind erfrischt, tanken noch schnell, bevor es dunkel wird. Dann bringen wir die restlichen 200 Kilometer nach Maschad hinter uns. Sehr angenehm ist auch, dass es in der Nacht deutlich k├╝hler ist. Wir sind zwar weit davon entfernt, die Bel├╝ftungs├Âffnungen in unseren Kombis zu schlie├čen, doch wir Schwitzen nicht mehr beim Fahren.

Leider haben wir von Tabas nach Maschad noch einen kleinen Pass zu ├╝berqueren und dort erwartet uns auf den Motorr├Ądern ein wirklich kr├Ąftiger Wind. Noch dazu ist auf dem Pass auch nach dem Sonnenuntergang noch reger LKW-Verkehr, der uns mit Abgasen zu nebelt und das ├ťberholen erschwert.

Um 22:00 Uhr kommen wir in Maschad an und fahren zum Hotel. Mein Navigationssystem nimmt den k├╝rzesten Weg und f├╝hrt uns einfach mitten durch den Bazzar, der voller Menschen ist. Im ersten Moment ist Anja und mir das zwar peinlich und unangenehm, doch als uns auch Autos entgegenkommen, sch├╝tteln wir dieses Gef├╝hl schnell ab.

Das Hotel ist ein echter Luxuspalast und wir ├╝berlegen tats├Ąchlich, ob wir hier unterkommen sollten. Angesichts der knappen Barschaft spielen wir mit dem Gedanken nochmal durch die Stadt zu fahren, aber am Ende siegt dann doch die M├╝digkeit.

Wieder einmal k├Ânnen wir die Motorr├Ąder in einer Tiefgarage unterstellen und erneut ist alles mit Marmor gefliest. Ich rutsche und schlittere also die Rampe hinunter und kann nur mit viel Gl├╝ck verhindern, dass die Twin kippt.

Als ich sicher stehe, gebe ich Anja durch den Funk Bescheid, dass es eine schwierige Abfahrt wird. Leider war unser Gl├╝ck f├╝r heute aufgebraucht. Anja verliert auf den letzten Metern der Rampe die Kontrolle. Sie schafft es, die Maschine sanft abzulegen. Die Koffer bieten ihr einen guten Schutz, sodass sie sich nicht das Bein quetscht. Dennoch sind die beiden Hotelangestellten total von der Rolle und versuchen gleichzeitig Anja unter dem Motorrad hervor zu ziehen und die Maschine aufzurichten.

Ich h├Âre Anja im Funk rufen und beeile mich, ihr zu helfen. Am Ende ist ihr aber nichts passiert und auch der BMW geht es gut. Wir laden schnell ab und verkr├╝meln uns auf unser Zimmer. Stephan hatte uns versprochen, dass er aus Deutschland ├╝ber Skype anrufen m├Âchte. Da wollen wir auf jeden Fall online und bereit sein. Er hat sogar eine ├ťberraschung f├╝r uns: Sven ist auch dabei und wir k├Ânnen nach kleinen Startschwierigkeiten eine ganze Weile sprechen.

Das hat uns sehr gut getan. Wir sind jetzt fast 80 Tage unterwegs und Phileas Fogg war da schon um die ganze Welt gereist. Wir merken aber einfach, wie wir unsere Freunde vermissen. Solche Telefonate helfen uns sehr und wir freuen uns, dass viele Leute zu Hause in Gedanken bei uns sind.

In der Nacht erholen wir uns und genie├čen am n├Ąchsten Morgen ein sehr gro├čz├╝giges Fr├╝hst├╝ck und einen tollen Blick auf den heiligen Schrein, der unweit des Hotels farbenpr├Ąchtig aus den H├Ąusern hervorsticht.

Wir sind in guter Dinge. Denn obwohl wir einen Tag fr├╝her hier sind, als erwartet, k├Ânnten die Visa schon fertig sein. Wir w├Ąren dar├╝ber nicht traurig. Also machen wir uns auf den Weg zur turkmenischen Botschaft. Die ist aber mal wieder nicht an dem Fleck, an dem sie sein sollte und wir versuchen es mit dem Konsulat.

Das entpuppt sich als kleine Holzklappe und von dem Gesicht dahinter erfahren wir, dass es noch keine Antwort aus A┼čgabat gibt und wir uns gedulden m├╝ssen. Anja und ich sind uns nicht sicher, wie lange wir warten m├╝ssen und beschlie├čen in eine andere (und billigere) Unterkunft zu ziehen. Zu unserem Gl├╝ck finden wir direkt neben dem Konsulat ein sehr g├╝nstiges Hotel, das uns ein nettes kleines Zimmer anbietet. Wir ziehen also aus dem Luxustempel aus und fangen an zu warten.

Wir werden von dem Hotelbesitzer sehr freundlich behandelt und er nimmt uns an unserem ersten Abend gleich mit, um uns das ÔÇ×Dach von MaschadÔÇť zu zeigen. Wir kommen so an einen sch├Ânen Aussichtspunkt, an dem wir die Lichter der Stadt bewundern k├Ânnen und dann werden wir auch noch zum Abendessen eingeladen. Wir m├╝ssen erneut viel erz├Ąhlen und berichten, denn Sam ist ein begeisterter Zuh├Ârer. Sehr sp├Ąt am Abend kommen wir todm├╝de im Hotel an und fallen ins Bett.

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