Endlich im Iran

05.

07.

2017

China Tour | erzÀhlt von Michl

Wir kommen ohne Schwierigkeiten aus Armenien raus. TatsÀchlich erkennen uns die Leute noch. Warum es bei der Wiedereinreise vor zwei Wochen Stunden in Anspruch genommen hat, uns zu kontrollieren, ist und bleibt ein RÀtsel. Und dann kommt die Grenze zum Iran.

Es hat gute 35 Grad und auch wenn Anja ein Kopftuch trĂ€gt, muss sie auch noch etwas LangĂ€rmliges anziehen. Das ist in diesem Fall die Motorradjacke. Wie man sich vorstellen kann, freut sie sich darĂŒber endlich was anzuziehen. Im Überschwang, dass wir tatsĂ€chlich hier sind, schafft es einer der Grenzbeamten mir fĂŒr zwei Euro eine Krankenversicherung anzudrehen. Da muss ich das nĂ€chste Mal aufpassen. Denn fĂŒr den Preis, denke ich mir, ist das sicherlich eine der besten Absicherungen, die man haben kann.

Ich persönlich mache mir viele Gedanken zu dem Carnet, was uns erlaubt die MotorrĂ€der einzufĂŒhren und im Iran zu fahren. Das ist jetzt zwar kein Hexenwerk, aber wer weiß, was wir hier vielleicht erklĂ€ren mĂŒssen. Nach und nach passieren wir die verschiedenen Schranken und Posten und dann klappt das mit dem Carnet-Wisch perfekt. Wir geben das ab, haben nach einer Weile den Zettel wieder in der Hand und alles ist in Butter. Ich bin begeistert. Die letzten Dram tausche ich gleich noch in Iranische Rail um und schon sind wir auf dem Weg nach Tabriz.

Das erste, was uns auffĂ€llt ist, dass die Straße perfekt ist. Keine Löcher, keine Schwellen – wir gleiten nach einer gefĂŒhlten Ewigkeit auf Holperpisten wieder auf einer herrlichen Straße dahin. Das nĂ€chste, was wir bemerken: es ist warm. Echt warm. Aus den 35 Grad werden mehr und wir sind echt glĂŒcklich, als wir die Autobahn erreichen und etwas schneller fahren können, sodass uns der Fahrtwind etwas abkĂŒhlt.

Der Verkehr, den wir bisher erlebt haben, war zwar schon wild, aber wir kommen klar. Als wir dann in Tabriz unsere Unterkunft suchen, habe ich dann schon ein etwas seltsames GefĂŒhl. In den StĂ€dten geht es echt heiß her. Wir haben uns zum GlĂŒck schon ein ziemlich dickes Fell zugelegt und drĂ€ngeln einfach schön mit. Die GlĂŒhlampen in den Blinkern können wir hier schonen. Denn die Richtung, in welche man abbiegen möchte, wird telepathisch ĂŒbertragen. Es tut sich eine LĂŒcke auf, wenn man einfach in die entsprechende Richtung. Uns bleibt praktisch nichts anderes ĂŒbrig als uns anzupassen.

Wir kommen aber alles in allem guter Dinge bei dem Haus an, in welchem unsere Gastgeber wohnen. Wir haben uns hier im Iran fĂŒr Couchsurfing entschieden. Das ist zwar im Iran nicht so gern von der Regierung gesehen und es wird stĂ€ndig versucht den Leuten Angst zumachen, aber es gibt eine stĂ€ndig wachsende Gemeinschaft. Dabei meldet man sich im Internet an, und sucht dort Personen, die in der Stadt wohnen, in welche man Reisen möchte, und fragt ob man vielleicht ein paar NĂ€chte bleiben kann. Das ist nach unserer Erfahrung die absolut beste Möglichkeit, den Iran als Land richtig kennenzulernen.

Unsere Gastgeberin ist Englischlehrerin und nimmt uns sehr herzlich auf. Wenn man in einem iranischen Haus zu Gast ist, nimmt sich der Gastgeber jede Zeit die nötig ist, um die GĂ€ste zu betreuen. Wir haben also nicht nur eine sehr schöne Bleibe, sondern auch gleichzeitig einen Guide, der uns praktisch ĂŒberallhin bringt und uns alles zeigt und erklĂ€rt.

Als erstes wollen wir Nasser Khan besuchen. Der Mann, der uns nun schon seit mehreren Monaten via Internet mit Rat und Tat zur Seite steht. Wir besuchen ihn also, trinken einen Tee und bekommen sofort weitere Tipps von Dingen, die wir uns ansehen sollten und was wir besser nicht machen oder worauf wir achten sollten. 

Parvaneh, so heißt unsere Gastgeberin, hilft uns in den ersten Tagen, wo sie nur kann. Wir haben nach zwei Tagen Geld zu einem sehr guten Kurs getauscht, eine Iranische SIM-Karte fĂŒrs Handy, ein Paket nach Hause geschickt und einige SehenswĂŒrdigkeiten besucht. Anja ist sogar einen Tag mit ins Zumba-Training gegangen und hat bei ihrer RĂŒckkehr sehr aufregend davon berichtet.

Auch wenn wir immer wieder feststellen, dass zwei oder drei Tage an einem Ort zu kurz sind, fahren wir weiter. Unser Ziel ist es, so schnell es geht, nach Teheran zu kommen. Dort mĂŒssen wir in die Turkmenische Botschaft, weil ja offensichtlich die Niederlassung in Deutschland nicht in der Lage war uns eine Einreise zu ermöglichen.

Doch die Strecke ist einfach zu lang, um das an einen Tag zu schaffen. Über 600 Kilometer in der Hitze, die uns hier mittlerweile entgegen schlĂ€gt, geht einfach zu sehr an die Substanz. Wir machen diese Reise ja immerhin aus Spaß, nicht weil wir zeigen wollen, dass wir die hĂ€rtesten Biker sind. Da gibt es ja schon genug, die sich immer wieder beweisen mĂŒssen.

Wir machen also einen Zwischenstopp in Zandschan. Hier hat uns Parvaneh ein gĂŒnstiges Hotel von Tabriz aus organisieren können. Wegen der heißen Temperaturen machen wir regelmĂ€ĂŸige Trinkpausen. Dabei erleben wir immer wieder die Gastfreundschaft, die in diesem Land genauso selbstverstĂ€ndlich ist, wie die Luft zum Atmen.

An den Mautstellen mĂŒssen wir nicht einmal etwas bezahlen, sondern bekommen regelmĂ€ĂŸig Apfel oder Pfirsiche geschenkt. An einem Halt, den wir schnell zum Trinken nutzen wollten, werden wir zu einem Essen eingeladen. Wir sind davon einfach ĂŒberwĂ€ltigt. Solche Einladungen kommen mit einer solchen SelbstverstĂ€ndlichkeit und WĂ€rme, dass wir es auch im weiteren Verlauf der Reise selten schaffen nein zu sagen. Die Gegenleistung fĂŒr ein ĂŒppiges Mahl mit GetrĂ€nken und Nachspeise ist heute einfach ein Foto mit uns.

Als wir in Zandschan ankommen, ist es schon nachmittags und wir nehmen uns vor, von nun an frĂŒher loszufahren, um dieser Hitze zu entgehen. Da das Hotel keinen Parkplatz hat, lassen wir die Maschinen einfach vor der TĂŒr auf dem Gehweg stehen und bringen nur das nötigste in das kleine Hotelzimmer.

Nach einer Dusche ruhen wir uns erstmal aus und schlafen eine Runde. Das machen hier alle Leute im Iran und wir erkennen mittlerweile warum. Es ist einfach nicht zum Aushalten, wenn man vor 18 Uhr vor die TĂŒr geht. Nachdem die Sonne untergegangen ist, suchen wir uns was zum Essen in einem kleinen Lokal und fĂŒllen unseren Wasservorrat auf. Es ist völlig normal um 23 Uhr zum Essen zu gehen, oder noch schnell in den Supermarkt.

Bei unserer RĂŒckkehr am Hotel wartet dort die Polizei. Auweia. Es wird doch wohl nicht wegen unseren Maschinen sein. Doch ist es, aber anders als wir denken. Zum einen möchte der junge Polizist ein Foto machen und zum anderen bittet er uns, alles was geht ins Hotel zu bringen, damit nichts gestohlen wird. Phhuuu, wir sind erleichtert.

Wir sind von der Hitze stark beeinflusst. Es ist sogar so weit gekommen, dass wir in der Nacht nur mit Aircondition schlafen können. Wir beschließen, so frĂŒh es geht morgen loszufahren, denn bis Teheran sind es 290 Kilometer und wir rechnen in einer Stadt, in der 8 Millionen Menschen leben, mit reichlichem Verkehrsaufkommen.

Wir stellen uns also den Wecker und essen auf dem Bett unser FrĂŒhstĂŒck, was zum Teil aus Essen besteht, welches wir geschenkt bekommen haben. Dann ziehen wir uns noch im Hotel die Motorrad-Klamotten an und wollen filmen, wie wir auf die Maschinen steigen und losfahren. Daher haben wir von dem Folgenden einen Videobeweis:

Wir schaffen es nĂ€mlich nur das Hotel zu verlassen und dann stecken wir in einem wahren Fotoshooting fest. Es kommt uns so vor, als haben die Leuten alle darauf gewartet, dass wir das Hotel verlassen. Wir grinsen und machen guten Schweiß zu heißer Sonne. Es dauert, aber endlich kommen wir los. Die Sonne brennt uns erbarmungslos auf den Pelz und wir erreichen Teheran zur Rushhour. SpĂ€ter finden wir jedoch heraus, es gibt hier praktisch keine Zeit, in welcher es wenig Verkehr gibt.

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