Armenische Gastfreundschaft

16.

06.

2017

China Tour | erzÀhlt von Michl

Wir fahren an die Adresse, welche uns Michael per Mail zugesendet hat und warten dort in einem Café. Nachdem ich die Benzinpumpe in HÀnden halte, freue ich mich wie ein Kind und bin viel beruhigter. Jetzt kommt nur noch der Einbau, doch das bekomme ich irgendwie hin.

 

Zu dritt verbringen wir den Nachmittag und Abend und Michael kann uns noch ein paar Tipps geben, was wir uns ansehen sollten. Dann verabschieden wir uns voneinander und verabreden uns auf ein Wiedersehen im Iran. Anja und ich genießen die Innenstadt von Jerewan und bummeln durch die Straßen. Der „Singende Brunnen“ hat zwar heute Pause, aber wir sind ja morgen auch noch da. SpĂ€t am Abend lassen wir uns ins Hotel fahren und ich mache mit David, der uns das Hotel hier besorgt hat, aus, dass er mich morgen zu einer Werkstatt bringt, um die Twin von dem Benzinproblem zu befreien. Wir genießen die Ruhe, das herrlich große Bett und schlafen wie Babys.

Am nĂ€chsten Morgen kommt David nach dem FrĂŒhstĂŒck und sammelt mich auf. Es ist schon ein warmer Morgen und es verspricht ein heißer Tag zu werden. Vielleicht haben wir den Regen endlich hinter uns gelassen. Er fĂ€hrt mit seinem BMW X5 durch die Stadt voraus und macht mir dadurch den Weg frei.

Wir kommen zu einer Werkstatt, in der ausschließlich MotorrĂ€der herumstehen. Auch zwei KTM-Adventure sind dabei – leider in beklagenswertem Zustand. SpĂ€ter erfahre ich, dass sind zwei Maschinen von zwei Chinesen die es nur bis hierhergeschafft haben. Neu gekauft, ist nach knapp 15000 Kilometern die Kupplung defekt, die Halterung vom Heck ist gebrochen und an der gesamten AufhĂ€ngung der Frontverkleidung inklusive der Lampenhalterung sind so viele Schrauben verloren, bzw. abgerissen, dass der Bock nur noch mit viel GlĂŒck so aussieht wie ein Motorrad. Dazu kommt, dass die Anzeigen im Display defekt sind. Diese SchĂ€den sind alle nur an einem der beiden MotorrĂ€der. Bei der zweiten habe ich keine Lust mehr, auch noch zu erfahren, was alles nicht mehr geht.

Ich habe da die Bilder im Kopf, als Ewan McGregor bei „The Long Way around“ auf seine Reise gehen wollte und KTM ihm keine Maschine gegeben hat. Ewan, das war euer GlĂŒck. Die Maschine ist offensichtlich nur etwas fĂŒr die sportlichen Abenteuer auf glatten Straßen in den Alpen.

Dann gibt es einen Kaffee und nach einer kleinen Unterhaltung baue ich die alte Pumpe aus und stelle fest, dass der Stecker zu der neuen elektrischen Pumpe nicht im Lieferumfang enthalten ist. Schnell mal umbauen ist also gestorben und basteln ist angesagt. Der Freund von David ist eine große Hilfe. Er rennt in einem weißen Unterhemd herum und baut mit mir an der Maschine. Doch er raucht praktisch ununterbrochen. Der Mann ist dĂŒnn wie ein Strich in der Landschaft und wenn er nicht seine Zigarette hĂ€lt oder eine neue anzĂŒndet, muss er praktisch stĂ€ndig aufpassen, dass ihm seine Hose nicht herunterrutscht. Doch er weiß, was er macht.

Wir basteln sechs Stunden an der Maschine herum. Dabei mĂŒssen wir neue BenzinschlĂ€uche holen, einen Stecker basteln sowie eine Ansteuerung fĂŒr die neue Pumpe herstellen. Wir bauen sogar die Vakuumpumpe auseinander und reparieren diese. Nach dem Ausbau bin ich davon ĂŒberzeugt, dass die BenzinschlĂ€uche schuld an den Liegenbleibern sind. Nach ein paar tausend Kilometern sehen die aus, als wĂ€ren die von 1940 ĂŒbriggeblieben. Das wird eine nette Email, wenn ich wieder zu Hause bin.

Ich bin jetzt mit BenzinschlĂ€uchen aus russischen BestĂ€nden eingedeckt und ich hoffe, ich muss bis zum Ende der Reise nie wieder an diese vermaledeite Benzinpumpe. Beim Schrauben fĂ€llt mir auch auf, dass sich die DĂŒse von meinem Kettenöler immer weiter verkĂŒrzt. Die schlechte Straße lĂ€sst den Schlauch vibrieren und jedes Mal, wenn dieser das laufende Kettenrad berĂŒhrt, hobelt sich da ein bisschen mehr ab. Ich versuche das auch zu richten, habe aber wenig Hoffnung, dass hier noch etwas zu machen ist. Am Ende bleibt mir nur ĂŒbrig zu vermeiden, dass Öl wĂ€hrend der Fahrt auf den Hinterreifen geschleudert wird.

Als Testfahrt nehme ich die Strecke von der Werkstatt bis zum Hotel. David war den ganzen Tag mit in der Werkstatt und bringt mich mit seinem X5, der vorausfĂ€hrt, wieder dorthin zurĂŒck. Sollte ich also liegen bleiben, habe ich sofort jemanden da, der mich wieder in die Werkstatt schleppen kann. Doch die Twin saust nur so dahin, wie immer, wenn die Maschine aus dem Service kommt. Da fĂŒhlt sie sich an wie neu. Es passiert nichts und so komme ich zwar verdreckt und hungrig, jedoch auch sehr froh, gegen 17:00 wieder in dem Hotel an.

Anja hat einige unserer Sachen gewaschen und fleißig gebloggt. Da es an diesem Tag so warm war, ist auch alles schon trocken. David möchte unbedingt mit uns Essen gehen und schlĂ€gt ein Restaurant vor, das besonderes Bier hat. Er gibt zwar schon von Anfang an zu, dass er es fĂŒr unwahrscheinlich hĂ€lt, uns als Bayern mit Bier zu beeindrucken, doch er möchte es versuchen.

Ich dusche also schnell und dann lassen wir uns mit einem Taxi in die Stadt fahren. Wir lernen an diesem Abend auch die Verlobte von David kennen. Mariane ist sehr nett und freut sich mit uns zu reden. Wir haben einen sehr schönen Abend, an dem ich verschiedene Biere teste, die alle recht gut sind. Wir sind es halt nicht gewöhnt Bier mit Fruchtnote zu trinken. Doch keines war wirklich schlecht.

Am Ende bleibe ich jedoch beim Weizenbier hĂ€ngen, das ist in der Tat sehr lecker ist. Leider gibt es immer nur 0,33 Liter. Also bestelle ich öfter mal nach. Wir laden die beiden als Dank fĂŒr ihre Hilfe ein. David und Mariane sind wie vom Donner gerĂŒhrt und bestehen darauf das wir morgen wieder Essen gehen und sie uns einladen dĂŒrfen. Anja und ich sagen gern zu und fahren nach einem langen Tag zurĂŒck ins Hotel.

Wir mĂŒssen am nĂ€chsten Tag dringend zu der Turkmenischen Botschaft. Auf dem Weg nach Jerewan haben wir erfahren, dass unsere Dokumente, welche wir in Deutschland an verschiedene Stellen geschickt haben, aus irgendwelchen GrĂŒnden nicht dazu gefĂŒhrt haben, dass wir ein Transit-Visa bekommen. Wir hören da die seltsamsten Ausreden von „nicht erhalten“ (Wer hat uns die Sachen denn dann zurĂŒckgeschickt) bis hin zu „vergessen zu kopieren“.

Wir tigern also durch die Stadt und sind zwar zuerst an der falschen, weil alten, Adresse, die aber noch so im Internet steht. Wir wollen aber auf jeden Fall noch heute dorthin und hetzen weiter, bis wir irgendwann doch an die Botschaft kommen. Hier werden wir nett, aber bestimmt, abgewimmelt. Armenien hat keine Grenze mit Turkmenistan und daher gibt es auch kein Transit-Visum fĂŒr AuslĂ€nder. Wir sollen das in Teheran versuchen. Das ist dann die letzte Chance. Denn sollten wir auch dort scheitern, sitzen wir fest. Durch Pakistan oder Afghanistan wĂŒrden wir sehr ungern weiter Richtung Osten fahren.

Anja und ich beschließen noch ein paar SehenswĂŒrdigkeiten in der NĂ€he zu besuchen. Das ist zum einen die Sommerfestung und Tempelanlage des Armenischen Königs und zum anderen ein Kloster. Das Besondere an dem Kloster ist, dass die Spitze der Lanze, die Jesus getötet hat, verwahrt. (Richtigstellung der Redaktion: Die Lanze wurde verwendet, um sicherzustellen, dass Jesus auch wirklich tot ist. Dabei wurde festgestellt: er war schon tot, was man am Herausfließen von Wasser und Blut erkennen konnte. *Ende des Klugschisses*) Wir machen uns also auf den Weg und weil wir die Innenstadt, in welcher der Verkehr nicht ganz so knorke ist, meiden wollen, fahren wir einfach ein StĂŒck Offroad-AbkĂŒrzung. Alles klappt super und wir haben herrliches Wetter. Wir haben sogar soviel GlĂŒck, dass wir zwischen zwei Ladungen Touristen praktisch fast allein auf dem GelĂ€nde des Tempels sind. Ich mache auch ein paar Aufnahmen mit der Drohne. 

Schon geht es weiter zu dem Kloster. An dieser Stelle muss man sagen, dass diese beiden KulturstĂ€tten durch ihre sehr dichte Lage an der Hauptstadt schon sehr touristisch geprĂ€gt sind. Viele HĂ€ndler verkaufen jeden nur vorstellbaren Plunder und es gibt viele Leute, die einem einen Parkplatz anbieten, wenn man dafĂŒr zahlt. Wir fahren aber mit den MotorrĂ€dern praktisch immer vor die HaustĂŒr und entkommen dem meisten davon.

Nichtsdestotrotz ist die Besichtigung des Klosters großartig. Der erste Mönch, der sich hierher zurĂŒckgezogen hatte, klopfte sich eine kleine Höhle in den Felsen und so taten es viele andere nach ihm auch. Erst viel spĂ€ter wurden dann Erweiterungen in Form von GebĂ€uden erbaut. Dazu zĂ€hlt unter anderem eine Kirche, die Anschluss an die FelswĂ€nde und die RĂ€ume der Mönche hatte, genauso wie eine Verteidigungsmauer. Die Mongolen haben das nette PlĂ€tzchen hier zwar dennoch eingenommen und eingeebnet, aber dieses Schicksal hatten ja mehrere Orte auf dem Weg der Truppe vom DJ-Khan.

Am Abend werden wir von David und einem seiner Freunde abgeholt. In den GesprÀchen haben wir erfahren, dass der Besitzer unseres Hotels, Ruben, David und auch sein Freund heute zu einem Motorrad-Club gehören. Es gibt noch ein paar weitere Leute und einer davon lebt in Teheran. Ihnen ist allen gemein, dass sie es sehr mögen mit dem Motorrad zu reisen und eher eine normale Geschwindigkeit fahren.

Wir fahren zu einem riesigen Garten, in dem dutzende kleine Pavillons aus Holz stehen. Es gibt kleine Wege, die von AprikosenbĂ€umen gesĂ€umt sind und in der Mitte des Gartens ist ein großes Haupthaus, in welchem aber eine Hochzeit stattfindet. Wir werden von einer Bedienung zu einem Pavillon gefĂŒhrt und David fĂ€ngt an zu bestellen. Mich beschleicht das GefĂŒhl, dass wir hier erneut gemĂ€stet werden und ich sollte Recht behalten.

Nach einiger Zeit kommt zwar auch noch Mariane dazu, aber auch sie kann nur staunen was, hier alles auf dem Tisch steht. Wieder wird es ein langer Abend, an dem wir viel lachen und wir besonders David und Mariane ins Herz schließen. Doch es treibt Anja und mich weiter. Wir wollen in den Iran und das können wir kaum noch erwarten. Daher verabschieden wir uns von allen und kehren mĂŒde, satt und voller Vorfreude in unser Hotel zurĂŒck. Bevor David geht, sagt er uns noch, dass er mit uns frĂŒhstĂŒcken möchte und uns zu diesem Zweck morgen abholen wird.

Am Morgen checken Anja und ich also aus und David wartet mit seinem BMW, um uns zu seinem Lieblingsrestaurant zu fahren. Wir landen bei einem italienischen Restaurant und auch Ruben, den wir an der Grenze mit David getroffen haben, kommt vorbei. Wir unterhalten uns und die Zeit vergeht.

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