Hochgebirge in H├Âchstform

08.

06.

2017

China Tour | erz├Ąhlt von Michl

Bis nach Gori sind wir in einem Tal zwischen dem gro├čen und dem niedrigen Kaukasus hindurch gefahren. Diesmal stellen wir uns den Bergen: es geht nach Stephanzminda. Daf├╝r fahren wir bis knapp an die russische Grenze und ├╝berqueren P├Ąsse von ├╝ber 2200 Metern.

Es ist in den letzten Tagen so warm, dass wir schon ein seltsames Gef├╝hl bekommen. Vielleicht haben wir jetzt endlich nur noch warmes Wetter. Wir schrauben uns eine recht gute georgische Stra├če in die Berge hinauf und haben uns mittlerweile v├Âllig daran gew├Âhnt, dass man uns sehr knapp ├╝berholt.

Komischerweise ├╝berholt uns kein Auto oder Laster, wenn wir auf einer geraden Strecke ohne Gegenverkehr fahren, sondern nur, wenn genau diese Umst├Ąnde nicht gegeben sind. Ebenso scheint es bei dem Vorgang des ├ťberholens nur um den Umstand an sich zu gehen. Das zeigt sich immer wieder, wenn Autos an uns vorbeigezogen sind, um dann vor uns eine Vollbremsung mit rauchenden Reifen hinzulegen, um eine Ausfahrt zu erwischen. Das passiert immer wieder, doch da wir die besten Bremsen haben, die es in diesen L├Ąndern gibt, haben wir noch nie Probleme gehabt, dass wir jemandem auffahren k├Ânnten. Andere L├Ąnder, andere Sitten.

An einem Zwischenstopp bei einer Kirche, die ├╝ber einem Gebirgssee erbaut wurde, machen wir Essens- und Trinkpause. Es kommt ein Bus voller Iraner an, die sich wahrscheinlich die Kirche anschauen wollten, bis zu dem Zeitpunkt, als sie unsere Motorr├Ąder sehen. Die Leute sind alle jung und k├Ânnen gut Englisch. Wir kommen ins Gespr├Ąch und haben am Ende der Unterhaltung eine lange Liste an Sehensw├╝rdigkeiten, Einladungen zum ├ťbernachten und guten Tipps zusammen. Dann fahren die Iraner weiter in den S├╝den und wir nach Norden, unserem Ziel entgegen. 

Kurz bevor der richtige Anstieg zum Pass beginnt, sehen wir eine gro├če Zeltstadt um eine Kirche. Wir denken uns nichts dabei, gehen von einem Wallfahrtsort aus und rauf geht es auf den Pass. Wir sehen ein altes Feuerwehrauto mit Berliner Kennzeichen, als wir an einem der steileren St├╝cke sind und mich beschleicht das Gef├╝hl, dass diese Sehensw├╝rdigkeit viel ber├╝hmter ist, als wir das angenommen hatten.

W├Ąhrend der Fahrt schalte ich immer wieder die Kamera an meinem Helm ein und versuche dieses gewaltige Bergpanorama einzufangen. Wir durchqueren nach dem Pass ein Tal und der Kazbegi, die Eisspitze mit seinen 5709m, wirft seinen gewaltigen Schatten auf uns. In Stephanzminda finden wir nach ein wenig Suchen eine nette Herberge und haben sogar so viel Gl├╝ck, dass die Nichte der Gastmutter, welche zu Besuch aus Tiblisi ist, sehr gut Englisch spricht.

Doch auch wenn der Ort f├╝r Pilger und/oder Touristen gute M├Âglichkeiten zur ├ťbernachtung bietet, die Stra├če in der Mitte des Ortes ist als einzige asphaltiert. Der Anstieg zu unserer Unterkunft ist ein ausgewaschener Berghang mit gro├čen Steinen darin. Der Fu├č von Anja ist noch nicht soweit wiederhergestellt, dass sie die Maschine abfangen kann. Eine schnelle Ausgleichbewegung und sie bleibt kurz an einem Stein h├Ąngen, der aus der Stra├če steht. Dadurch ist der Schmerz zur├╝ck und den Rest des Abends f├Ąllt es ihr schwer, das Fu├čgelenk zu belasten. Wir haben aber dennoch einen sch├Ânen Abend in einem netten kleinen Lokal, bei dem wir auch hier die Gastfreundschaft Georgiens sp├╝ren k├Ânnen.

Am n├Ąchsten Tag m├╝ssen wir eine schwere Entscheidung treffen. Der Plan war, das Gep├Ąck in der Herberge zu lassen und die Bergstra├če zu der Drei-Einigkeits-Kirche hochzufahren. Doch wenn Anja den Fu├č erneut belasten muss, kann sie das Gewicht der Maschine halten? Immerhin geht es f├╝nf Kilometer in Serpentinen ├╝ber unbefestigtes Gel├Ąnde und die Einheimischen gondeln hier mit ihren Pick-Ups scharenweise Touristen nach oben, ├╝berholen und kommen einem vor allem entgegen! Und den ganzen Weg m├╝ssen wir ja auch irgendwann wieder hinunter.

Wir sind hier wirklich weit weg von allem. Ich bezweifele stark, dass wir hier gute medizinische Hilfe bekommen und im bl├Âdesten Fall sitzen wir einige Tage, hier in diesem beschaulichen Bergdorf ohne Stra├čen, fest. Nach einiger Diskussion entscheiden wir, dass unsere Offroad-Erfahrungen noch nicht ausreichend sind.

Es ist zwar schade, aber wir sind einfach mal vern├╝nftig. Wir machen uns also an den Abstieg ├╝ber den Pass. Nach der Fr├╝hst├╝ckspause wollte ich den ├ľlstand der Twin checken und schraube den ├ľlmessstab locker. Ich vergesse das aber und als wir kurz danach noch einmal anhalten, um ein schnelles Foto der Landschaft zu machen, bemerke ich die riesige Sauerei. Der Verschluss ├╝ber der ├ľffnung ist zum Gl├╝ck noch da, aber die rechte Seite ist voller ├ľl gespritzt und das Kontrollieren vom ├ľl wird kurzerhand zum ÔÇ×Auff├╝llen was noch da istÔÇť. Nat├╝rlich dokumentiere ich das ein wenig. Soll ja nicht hei├čen, dass mir keine Missgeschicke passieren. 

Ein wenig sp├Ąter kommen wir erneut an der Kirche mit der Zeltstadt vorbei. Hier ist nun ein unfassbares Gewimmel von Menschen. Es ist ein religi├Âser Feiertag, wie wir sp├Ąter erfahren. Die Leute dr├Ąngen sich in die Kirche, um Kerzen zu entz├╝nden. Kinder laufen mit Zuckerwatte umher und hunderte Bauern schleppen Ihre Schafe zu einem Schlachter. Ein ganzer Laster ist mit den Resten der Tiere schon gef├╝llt und der Boden ist blutgetr├Ąnkt.

Wir brauchen ├╝ber eine Stunde, um uns langsam durch das entstandene Verkehrschaos zu w├╝hlen. Georgier wollen n├Ąmlich, wie auch alle deutschen Autofahrer, einen Parkplatz in der ersten Reihe. Alle zur gleichen Zeit. Auch wenn hier einiges an Polizei anwesend ist, die best├Ąndig darauf dr├Ąngt weiterzufahren. Es ist mehr Stehen als Fahren und mehr als Pfeifen haben die hier nicht drauf.

Kurz nach dem wir wieder freie Fahrt haben und die k├╝hle Brise genie├čen, nimmt mein Motorrad auf einmal kein Gas mehr an. Ich werde immer langsamer und das obwohl ich an dem Hebel drehe, was geht. Diese Situation hatte ich schon einmal, als der Tank meiner Maschine leer war und ich auf Reserve umschalten musste. Doch das kann nicht sein. Anja hat ein sehr genaues Auge auf unsereTankstopps und wir sind noch ├╝ber 150 Kilometer davon weg.

Ich habe als erstes die Benzinpumpe im Verdacht ÔÇô wie mir das Michael gesagt hat. Doch ich habe nichts zum Reparieren dabei. Hier auf der Bergstra├če ist durch den Feiertag reichlich Verkehr und wir sind nicht allein, aber bis in die n├Ąchste Stadt sind es knapp 100 Kilometer. Nach kurzem Warten stelle ich einfach den Benzindrehschalter auf Reserve und die Twin springt wieder an. Muss also tats├Ąchlich am Sprit liegen.

Wir fahren an die n├Ąchste Tankstelle und tanken voll. Knapp 9 Liter gehen rein, dann ist der Tank wieder voll ÔÇô ich hatte noch nicht einmal die H├Ąlfte verbraucht. Es war also auf keinen Fall zu wenig Benzin schuld an dem ÔÇ×Liegenbleiber". Wir fahren weiter und es kommt zu keinem weiteren unplanm├Ą├čigen Stopp.

Kurz bevor wir die Hauptstadt von Georgien Tiblisi erreichen, kaufe ich an einer Tankstelle Motoren├Âl, denn mein Vorrat ist aufgebraucht. Der Verk├Ąufer preist mir das deutsche ├ľl, als das Beste an, was er hat: ÔÇ×This are sspizzzen kualiteet.ÔÇť Ich verstehe auch ├Âfter das Wort ÔÇ×PremiumÔÇť. Wir werden sehen.

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