Ab in den S├╝den

24.

07.

2015

Frankreich Tour | erz├Ąhlt von Anja

Endlich ├╝berqueren wir die franz├Âsische Grenze. Eigentlich bemerken wir erst nach einigen Kilometern, dass wir die Grenze l├Ąngst hinter uns haben. Durch einen wundersch├Ânen Weinberg geht es abw├Ąrts nach Vionnaz. Die Stra├čenschilder haben noch einmal die Farbe gewechselt, die Orte haben Namen wie Aix-les-Bains und am Campingplatz kann man Froschschenkel bestellen!

Vom Genfer See geht es direkt zum n├Ąchsten See bei Aix-les-Bains. Der Campingplatz ist nicht direkt am See und nicht wirklich was besonderes. Wir haben ein kleines Areal das mehr aus Schotter als aus Rasen besteht, das wir uns mit einem Wohnmobil teilen. Hier k├Ânnen unsere Isomatten das erste mal zeigen was sie in Sachen Liegekomfort k├Ânnen. Am Eingang gibt es einen kleinen Imbiss mit Plastik Marquise. Aber gleich die Stra├če hinunter ist ein See mit einem kleinen Einstieg zum Baden und eine Frau verkauft aus einem K├╝hlwagen Eis. Was will man mehr?

Doch noch w├Ąhrend wir mit nackten F├╝├čen ├╝ber den Kiesstrand ins Wasser tippeln (zumindest ich tipple ├╝ber die spitzen Steine), ziehen schon dunkle Wolken auf und schweben bedrohlich auf uns zu.

Nach eine kurzen und erfrischenden Bad eilen wir zur├╝ck zu unserem Lager und bringen alles regensicher unter. Wir krabbeln gerade ins Zelt, als es auch schon los geht. Regen prasselt auf uns herunter und Windb├Âen dr├╝cken aufs Zelt. Wir haben ja schon mal einen Sturm in diesem Zelt ├╝berstanden. Leider mich recht viel Wasser im Zelt. Mit dem Wissen, dass alles Wasserdicht ist, ist es im Zelt super gem├╝tlich! Wir lesen und genie├čen die k├╝hle die der Regen mit sich bringt. Seit der ├╝berquerung der Grenze von Frankreich haben wir jeden tag ca 35┬░C Lufttemperatur. Unsere Ausr├╝stung k├Ânnen wir ├╝brigens an dieser Stelle nur empfehlen!

Leider plagt uns noch der Hunger. Die Plastik Marquise hat zwar nicht besonders einladend gewirkt, aber besser als nichts. Blitz schnell ÔÇô quasi bevor uns die Regentropfen erwischen k├Ânnen ÔÇô sausen wir nach ├╝ber den Platz und fliehen in das "Restaurant".

Schnell lernen wir, dass es dem Franzosen egal ist, wie es von au├čen aussieht. Plastikstuhl, karierte Tischdecke, v├Âllig egal, solange es schmeckt. Die Karte ├╝berrascht uns: Salate, Fisch, Steak, nur vom Feinsten. Und es klingt nicht nur lecker. Michl bestellt Fisch, der wohl in der fr├╝h noch gezappelt hat und sogar ich finde ein Gericht. Ein Ceasar Salat mit selbst anagebraten Croutons, frischem Gem├╝se und einem k├Âstlichen Dressing ÔÇô wenn ich das schon einmal ├╝ber Salat sage!

Am n├Ąchsten Morgen steht wieder die Sonne am Himmel. Auf dem kleinen Weg steht das Wasser noch in den Pf├╝tzen, doch die Stra├čen sind trocken. Am Imbiss gibt es ein frisches Baguette f├╝r unser Fr├╝hst├╝ck und so gest├Ąrkt geht es auf zu unserer n├Ąchsten Tagesettappe: La Mare.

Wir folgen der ┬╗Route de Napoleon┬ź auf der vor wenigen Tagen noch die Tour de France statt gefunden hat. Etliche Banner und Stra├čenmarkierungen leiten uns den Weg entlang, nur das wir nicht treten m├╝ssen. In engen Kurven bewegen wir uns weiter Richtung S├╝den.

Es geht gerade einen langen Abschnitt bergab und wir halten Ausschau nach einem Parkplatz f├╝r eine kleine Pause, da kommen wir um eine Biegung und vor uns breitet sich ein weiter See aus. Dar├╝ber hinweg ein Berggipfel in den Wolken. Gebannt bestaunen wir die Aussicht. "Da war ein Campingplatz angeschrieben!", h├Âre ich im Funk und ohne langes ├ťberlegen werfen wir den Anker und kehren um. Tats├Ąchlich ist direkt am See ein kleiner Campingplatz. Zwar haben wir unser Tagesziel noch nicht erreicht, doch eine sch├Âne Aussicht geht vor.

Das Wasser glitzert im Sonnenschein und liegt umgeben von hohen Gipfeln. Nach einer ausgiebigen Erfrischung bei den hei├čen Temperaturen sitzen wir am Steg und lassen die F├╝├če und die Seele baumeln.

Der Campingplatz hat ebenfalls ein kleines Restaurant am Steg und ehe wir uns noch mal in die Kombis pellen, schlendern wir gem├╝tlich nach vorne. Platstikst├╝hle und eine karrierte Tischdecke, das kennen wir ja schon, dieses Mal sind wir gespannt aufs Essen. Der Kellner tr├Ągt eine Steintafel herbei auf der das Tagesmen├╝ beschrieben ist und erkl├Ąrt uns jedes Gericht der vier G├Ąnge. Michl l├Ąuft schon beim Zuh├Âren das Wasser im Munde zusammen, obwohl wir nicht einmal alle Speisen kennen, von denen die Rede ist.

Der n├Ąchste Tag beginnt voller Elan. Ein paar Runden im See wecken meine Lebensgeister. So k├Ânnte jeder Morgen starten! Und weiter geht es Richtung S├╝den!

Unsere Mittagspause verbringen wir in einer historischen Stadt. Das Herz der alten Gem├Ąuer ist eine pr├Ąchtige Kirche mit dicken Mauern. Hier wurden fr├╝her sicher nicht nur Kunstsch├Ątze gesch├╝tzt. Ehrf├╝rchtig betreten wir auch die Kirche, wir wagen gar nicht zu sprechen. Die Stra├če entlang stehen au├čerdem drei Massive Wacht├╝rme, die Kerben der Holzpalisaden sind noch zu erkennen.

Von der alten Stadt fahren wir wahrlich ins Motorrad Paradies. Kurvenreich geht es durch dicke W├Ąlder, breite Stra├čen f├╝hren uns ├╝ber weite H├╝gel. Eine herrliche Route um dahin zu gleiten. Und das Beste: Keine Menschenseele. Nicht ein Motorradfahrer, kein Lastwagen im Weg und noch nicht einmal viele Autos, mit denen wir uns die Fahrbahn teilen m├╝ssten. 

Wieder einmal auf der Suche nach einem Campingplatz scheint uns die Touristenfalle dieses Mal nicht erspart zu bleiben. Die Sonne ist nur noch eine Handbreit vom Horizont entfernt und unser Lager ist noch lange nicht aufgeschlagen. Leider sind wir offensichtlich an einem sehr begehrten See angekommen, denn es stehen nur ├╝berf├╝llte Campingpl├Ątze zur Verf├╝gung, wo sich Familien mit Wohnmobilen und Kinder mit Schwimmfl├╝geln tummeln. Das Gewimmel ist mir zu viel! So ein Seeufer ist weit, da muss es doch noch etwas besseres geben!

Wir umfahren den See. Die Strecke ist weiter als gedacht, doch der Ausblick ist unbezahlbar! Der See liegt in einer weiten Schneise aus roten Bergen und die D├Ârfer scheinen direkt im Hang zu wachsen. Mit einer kurvigen Stra├če ist das Wasser eingefasst und wir fliegen zwischen steilem Berg und spiegelnder Oberfl├Ąche dahin.

Schlie├člich finden wir einen Campingplatz, der noch Pl├Ątze frei hat - sofern man sie erreichen kann. Eine staubige Piste geht es steil bergauf, kreuz und quer zwischen Zelte hindurch. F├╝r unsere Maschienen ist das kein Problem, f├╝r uns als Fahrer eine kleine Mutprobe. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz jagen wir unsere Asphalt verw├Âhnten Bikes ├╝ber Stock und Stein und stellen fest, das unsere beiden Damen ohne mit der Wimper zu zucken die Schlagl├Âcher und steilen Passagen hinter sich lassen.

Endlich finden wir den perfekten Platz. Wenn ich den Kopf etwas neige kann ich ├╝ber meine Zehen hinweg, durch die Zelt├Âffnung beobachten, wie die Sonne langsam im See zu versinken scheint.

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